Theodor-Storm-Gesellschaft mit dem Hartmut-Vogel-Preis ausgezeichnet

Dankbar und ein wenig stolz: Christian Demandt, Sekretär der Theodor-Storm-Gesellschaft, mit der Urkunde des Hartmut-Vogel-Preises auf der Dachterrasse der Berliner Akademie der Künste bei der Festveranstaltung anlässlich der Jahrestagung der ALG am Samstag, 28. Mai. Foto: Christian Körner

»Beeindruckende Effektivität in der täglichen Arbeit«

Festabend zur Verleihung des Hartmut-Vogel-Preises an die Theodor-Storm-Gesellschaft
Glückwünsche von Kulturministerin Anke Spoorendonk

Mit Dankbarkeit und Freude nahmen die Verantwortlichen der Theodor-Storm-Gesellschaft am Freitag, 27. Mai 2016, den Hartmut-Vogel-Preis für Literaturvermittlung entgegen. Im Rahmen eines Festabends in der Mendelssohn-Remise in Berlin zeichnete die Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG) die Husumer Storm-Gesellschaft aus. Bereits am Vormittag gratulierte Schleswig-Holsteins Kulturministerin Anke Spoorendonk per Brief.

»Wir sind in bescheidenem Maße stolz auf diesen Preis, insofern wir uns durch ihn verstanden fühlen. ‚Verstanden’, insofern es der Theodor-Storm-Gesellschaft stets ein Anliegen war, in einem emphatischen Sinn ‚Literaturgesellschaft’ zu sein«, erklärte der Präsident der Gesellschaft, Professor Philipp Theisohn in seiner Dankesrede.

Monika Grütters (Mitte), Staatsministerin für Kultur und Medien, gratulierte Christian Demandt für die engagierte Arbeit im Husumer Storm-Zentrum, die mit dem Preis für Literaturvermittlung ausgezeichnet wurde. Foto: Christian Körner

Herausforderungen der postmodernen Welt
Literaturgesellschaften seien in der heutigen Zeit nur überlebensfähig, »wenn sie sich nicht als ein geschlossener Zirkel von Erwählten und Liebhabern begreifen.« Theisohn betonte die gesellschaftliche Herausforderung: Aufgabe sei es vor allem, »durch Texte Menschen zusammenzubringen, sie durch die Literatur zum Reden, zum Denken, zum Lesen und Schreiben zu bewegen, sie sich austauschen, sie sich auch streiten zu lassen.«

Die Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften verleihe den mit 5.000 Euro dotierten Hartmut-Vogel-Preis an die Storm-Gesellschaft nicht für ein einzelnes Event oder eine Veranstaltungsreihe, sondern für die »Tagesarbeit«, mit der sie sich auf den Weg gemacht habe, sich den Herausforderungen der postmodernen Welt zu stellen, erklärte der Vorstandssprecher der ALG, Professor Hans Wißkirchen, in seiner Laudatio.

Museumspädagogische Projekte
Beeindruckend sei dabei insbesondere die Effektivität, mit der die Storm-Gesellschaft arbeite: »Das alles ruht auf den Schultern von wenigen. Das alles ist mit geringem Budget und großem persönlichem Engagement der Storm-Enthusiasten vor Ort geleistet worden. Zudem bei einem Autor, der bei aller Qualität durchaus nicht im Zentrum des literarischen Interesses steht.«

In den Mittelpunkt seiner Würdigung stellte Wißkirchen vor allem das museumspädagogische Engagement des Sekretärs der Gesellschaft, Dr. Christian Demandt. Beispielgebend seien Projekte wie »Schüler führen Schüler«, Projekttage, ein Storm-Tanztheater oder eine Werkstatt im szenischen Schreiben in Kooperation mit den Husumer Gymnasien Hermann-Tast-Schule und Theodor-Storm-Schule. Wißkirchen: »Das sind durchweg Projekte, die dann sowohl der Stadtöffentlichkeit als auch den Besuchern der Storm-Tagungen und den Benutzern der Website zugute gekommen sind.«

Museum und Forschungszentrum
»Zukunftsweisend für die ALG« nannte der Vorstandssprecher den überarbeiteten Internetauftritt und die intensivierte Öffentlichkeitsarbeit. Damit seien Rückgänge im Besuch des Storm-Museums in der Husumer Wasserreihe und in der Mitgliederzahl der Gesellschaft gestoppt worden. »Allein im letzten Jahr kamen 60 neue Mitglieder hinzu.«

Diese Aktivitäten »gehen einher mit anspruchsvollen wissenschaftlichen Veranstaltungen und Publikationen, die ja das Ansehen der Gesellschaft, des Hauses als eines sehenswerten Museums und Forschungszentrums begründen und festigen.«

Laudator Hans Wißkirchen (r.) mit (v. l.) Christian Demandt, Philipp Theisohn, Tim Weckmar und Niklas Friedrichsen. Foto: Christian Körner

Gewinnbringende Kooperation mit Schulen
Christian Demandt dankte bei der Entgegennahme des Preises für die »wertschätzenden Worte«. Als hauptberuflicher Lehrer an der Hermann-Tast-Schule und nebenberuflicher Leiter des Storm-Zentrums verwies er auf die für beide Seiten gewinnbringende Arbeit. »Ganz entscheidend war, dass wir in der Storm-Gesellschaft den Schülern etwas bieten konnten, was Schule sonst so nicht bietet: nämlich Freiheit, nach eigenen Interessen kreativ werden zu können« betonte Demandt.

»Die Storm-Gesellschaft hat lediglich einen Raum und einen Rahmen vorgegeben, ohne den das Projekt nicht zu organisieren wäre.« Wie das Projekt realisiert wurde, davon berichteten beim Festabend mit Niklas Friedrichsen und Tim Weckmar zwei ehemalige Schüler des Husumer Gymnasiums, die nach dem Abitur im Storm-Zentrum ein Jahr Bundesfreiwilligendienst leisteten.

Glückwünsche von Kulturministerin Spoorendonk
Die ersten Glückwünsche zum Hartmut-Vogel-Preis erreichten die Verantwortlichen der Storm-Gesellschaft bereits am Freitagvormittag. In einem Schreiben an Christian Demandt hob Schleswig-Holsteins Kulturministerin Anke Spoorendonk das große Engagement der Theodor-Storm-Gesellschaft hervor:
»Ich freue mich, dass insbesondere die Vermittlung von Werk und Leben Theodor Storms an ein junges Publikum mit diesem Preis ausgezeichnet wird. Sie machen sich seit vielen Jahren dafür stark, Jugendliche für das Werk Theodor Storms zu begeistern, und es ist Ihrem Einsatz zu verdanken, dass das Storm-Zentrum heute sowohl ein lebendiger Ort der Literaturvermittlung als auch der Sitz einer der größten literarischen Gesellschaften in Deutschland ist.«