Ausstellung »Menschen und Orte« eröffnet

Foto: Thomas Lorenzen

Im Beisein der Künstlerin Angelika Fischer wurde am 24.11. die Ausstellung »Menschen und Orte« im Storm-Haus eröffnet. Zu sehen sind Lebensorte von Bertolt Brecht und Helene Weigel, Tania Blixen, Wilhelm Busch, Annette von Droste-Hülshoff, Johann Wolfgang Goethe, Gerhart Hauptmann, Hermann Hesse, Walter Kempowski, Karl May, Peter Rühmkorf und Arno Schmidt. Für stimmungsvolle musikalische Einlagen sorgten Ralf Kukowski und Gabi Pflaeging.

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Husum, 24. November 2016

Bundesfreiwilligendienst im Storm-Haus

Foto: Thomas Lorenzen

Bjarne Albertsen und Muriel Stäcker leisten derzeit ihren Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Storm-Haus. Bewerbungen für den BFD ab Sommer 2017 sind möglich unter: 04841/8038630 oder info[at]storm-gesellschaft[dot]de.

Husum, 21. November 2016

Thomas Manns Husumer Schutzgeist

Heinrich Detering

»Ein Werk muss lange Wurzeln haben in meinem Leben«, erklärt Thomas Mann 1942. Diese Wurzeln nachzuvollziehen, darum geht es Heinrich Detering in seinem neuen Buch Das Meer meiner Kindheit, das am 29.10.16 im Storm-Haus vorgestellt wurde. Detering sprach dabei über Manns ambivalentes Verhältnis zu seiner Heimatstadt Lübeck und verdeutlichte, was diese Wurzeln in seinem Leben angerichtet, aber auch positiv bewirkt haben. Der Untertitel des Buches »Thomas Manns Lübecker Dämonen« verweist dabei auf den einen der beiden Spannungspole: die bürgerlichen Strukturen, in die sich der junge Thomas Mann nicht einfügen kann und will. Als Schulabbrecher und heimlicher Homosexueller ahnt er das eigene Scheitern in der Welt des Lübecker Bürgertums. Ein Schutzgeist gegen diese Dämonen kommt aus Husum. Storms Vers »Hüte deine Seele vor dem Karrieremachen« wird für Mann zur Legitimation eines Lebens jenseits des vorgezeichneten Weges. So ist es nur folgerichtig, dass Detering zur Vorstellung seines Buches zurückkehrte ins Husumer Storm-Haus, wo er zudem selbst bis 2015 als Präsident der Storm-Gesellschaft wirkte.

Husum, 30. Oktober 2016

Vor 150 Jahren zog Storm in die Wasserreihe

Viola-tricolor-Zimmer im heutigen Storm-Haus; fotografiert von Angelika Fischer

Am 8. Oktober 1866 zieht Storm mit seiner Familie in das neuerworbene Haus in der Wasserreihe 31 ein. Zunächst wohnt man im oberen Stockwerk, weil das Erdgeschoss renoviert werden muss. Weihnachten kann dann die untere Etage bezogen werden, wo sich auch die Landvogtei befindet. Alles ist frisch tapeziert und gestrichen. Besonders stolz ist Storm auf die moderne Gasbeleuchtung, »durch dessen Qualität Husum exzelliert«.
Storms Haus in der Wasserreihe wird in den kommenden 13 Jahren viele Gäste anlocken. Es sei, so Storm 1879, »ein immer fluthendes Haus«. In einem Brief an den Münchner Dichterkollegen Paul Heyse heißt es 1875: »Wir leben hier wirklich nach Göthes Vorschrift ›Tages Arbeit, Abends Gäste‹! […] Wir z.B. geben, um den Bekanntenkreis einigermaaßen zu erschöpfen, in diesen 8 Tagen 3 Gesellschaften von je 18 Personen. Dabei mein Gesangverein von etwa 50 Sängern beiderlei Geschlechts«.
Zur festen Institution werden die Nachmittagsteestunden um 16 Uhr, zu denen sich vor allem im Winter häufig Freunde einfinden: »Nachdem zuvor etwas geplaudert und der Tee getrunken war, wurden die Lampen gebracht. Die geleerten Tassen mußten, weil es Storm so behaglicher dünkte, auf dem Tische stehen bleiben. Ehe Storm zu lesen begann, wurde an jeden der Zuhörer die Frage gerichtet, ob er auch bequem sitze, damit die Aufmerksamkeit nicht etwa durch eine Unbequemlichkeit abgelenkt würde.«
Sobald es Frühling wird, zieht es Storm nach draußen in den Garten. »Ich wollte, Du könntest jetzt mitunter hier des Morgens sein; bei dem nicht übermäßigen Sonnenlicht, das ihm zuteil wird, ist unser Garten von einer selten grünen Frische und wird von den Kindern den ganzen Tag benutzt; auch wir trinken gewöhnlich unsern Tee darin«, schreibt Storm im Juni 1867 an Sohn Hans, der seit einem Dreivierteljahr in Kiel studiert.

Auszug aus »Menschen und Orte: Theodor Storm in Husum«. Texte von Jochen Missfeldt und Christian Demandt. Photographien von Angelika Fischer. Edition A.B.Fischer. Berlin 2016.

Husum, 8. Oktober 2016

Landtagspräsident und Landtagsdirektor besuchen Storm-Haus

Am 25. Juli besuchten der Landtagspräsident Klaus Schlie (links) und der Landtagsdirektor Prof. Utz Schliesky (rechts) das Storm-Haus. Nach einem Rundgang durch das Museum und die Sonderausstellung »Bürger auf Abwegen: Thomas Mann und Theodor Storm« besprachen sie mit Dr. Christian Demandt (Mitte) auch Projektvorhaben für das Storm-Festjahr 2017. Neben Husum wird auch Kiel ein zentraler Veranstaltungsort im kommenden Jahr sein. Geplant sind u.a. Lesungen, literarische Spaziergänge, Vorträge und eine Jubiläums-Ausstellung zu Storm, die zuerst in Husum und später in der Landesbibliothek in Kiel gezeigt wird.

Husum, 26. Juli 2016

US-Botschafter im Storm-Haus

Der Botschafter der Vereinigten Staaten, John B. Emerson (rechts), besichtigte am 21. Juli gemeinsam mit seiner Frau Kimberly (links) das Storm-Haus. Nino Moritz (Mitte) führte das Botschafterehepaar in Vertretung des erkrankten Museumsleiters Dr. Christian Demandt durch das Museum und die Sonderausstellung »Bürger auf Abwegen: Thomas Mann und Theodor Storm«.
Der Schwerpunkt lag dabei besonders auf der tiefen Bindung Storms an die Landschaft und die Menschen der Nordseeküste, um die Besonderheiten der Region herauszustellen.

Husum, 22. Juli 2016

Die Regentrude von Breklum

Der Bildhauer Fabian Vogler hat im Auftrag des Kunst und Kulturvereins Breklum e.V. in Anlehnung an Storms Märchen eine lebensgroße Figur entworfen und gefertigt: »Die Regentrude von Breklum«. Am 15. Juli 2016 wurde sie um 11 Uhr in Breklum eingeweiht.

Bei seiner Gründung im Jahre 2013 hat der Kunst- und Kulturverein Breklum e.V. es sich zum Ziel gesetzt, mit Kunst- und Kulturprojekten zur Steigerung der Attraktivität der Gemeinde beizutragen. Im Zuge der Neugestaltung eines Wanderweges wurde das Projekt »Regentrude« geboren. Das alte, etwas verwunschen wirkende Wiesengelände, durch das der Weg führt, mit einem kleinen, naturbelassenen Bruchwald, einem Teich, umrandet von Farnen, Erlen und Weiden, bot sich als idealer Standort für eine »Regentrude« an, mit der ein Stück des Erbes des berühmtesten Dichters der Region, Theodor Storm, erlebbar gemacht wird. Die Bronzeplastik, die der Bildhauer Fabian Vogler entworfen und gefertigt hat, soll Sinnbild für die Fruchtbarkeit und die Bedeutung von Wasser als Urquell des Lebens sein. Gerade so, wie Theodor Storm es in seinem Märchen auf andere Weise künstlerisch dargestellt hat.

Wie viele Novellen und Geschichten Theodor Storms besticht auch die um die Jahreswende 1863/64 entstandene Regentrude durch phantastisch-poetische Momente. Ein Kunstmärchen, das auf klaren und leicht einsehbaren Gegensätzen von Gut und Böse aufbaut und reale und phantastische Züge miteinander verbindet. Mit anderen Worten: Eine nach verschiedenen Ebenen hin ausgreifende Gemengelage, über deren künstlerische Dimension der Germanist Fritz Martini schrieb: »Daß der Naturmythos, die Märchenmoral, der Realismus des Bäuerlichen, die Psychologie reiner Jugend, schließlich die Kunst sinnlicher Bildverdichtung des Phantastischen in einem alles verbindenden persönlichen Erzählton zu glücklicher Deckung kamen, gibt dem Märchen seinen Rang.«

Eine vielschichtige Erzählung mithin, die der Bildhauer Fabian Vogler in einer vollplastisch konzipierten, etwa lebensgroßen Figur verdichtet, wobei er jedoch die erzählerischen Momente weithin zu Gunsten einer summarisch angelegten Bildkonzeption ausspart und sich im Gegenzug auf die von Martini beschriebene Ebene einer sinnlich begründeten Wirkmächtigkeit beschränkt: Vor den Augen des Betrachters erhebt sich aus einer plastisch besetzten Plinthe die in ihrer Stilisierung überlängte und plastisch geschlossen wirkende Figur einer armlos wiedergegebenen nackten Frau. Die Figur hat ihre Augen geschlossen. Sie ruht in sich und scheint sich in ihrer betonten Vertikalanlage zu drehen. Das Gesicht als ausgewiesenes Zentrum geht freilich in einem übergeordneten Kontext auf, während die figurale Anlage auf einer dezidiert betonten, schmalen ›Beinstütze‹ gleichsam präsentiert wird. Demnach beschreibt die Figur nicht länger eine natürliche figurale Konstellation, sondern sie initiiert vielmehr eine Erscheinung in schwerelos-phantastischer Sphäre.

Carsten Thoroe/Uwe Haupenthal

Die Broschur zum Projekt ist im pictus verlag erschienen: Hans-Heinrich Lüth (Hg.) Die Regentrude von Breklum. Ein Skulptur von Fabian Vogler nach einem Märchen von Theodor Storm. Halebüll 2016.

Husum, 15. Juli 2016

Schauspieler gesucht für Storm-Stück

Frank Düwel ist Leiter der norden-theaterproduktion und Dozent für Musiktheaterregie. In Hademarschen inszenierte er zwischen 2013 und 2015 eine vielbeachtete Schimmelreiter-Trilogie. Nun möchte er zum Storm-Festjahr 2017 in Husum ein biografisches Stück über Storm auf die Bühne bringen. Hierfür sucht er 30 Laiendarsteller aus allen Generationen. Im September findet das Casting statt. Martje Sältz, Schülermuseumsführerin im Storm-Haus, traf den Regisseur und Autor zu einem Gespräch.

Martje Sältz: Herr Düwel, Sie haben bereits zwei Mal Storm inszeniert, zuerst die Schimmelreiter-Festspiele in Dangast, zuletzt die Schimmelreiter-Trilogie in Hademarschen. Und jetzt – zum 200-jährigen Jubiläum – Storm in Husum. Was fasziniert Sie so an Storm?

Frank Düwel: Storm ist in meiner Jugend sehr wichtig gewesen. Ich bin in Meldorf zur Schule gegangen, fand damals alles ziemlich bescheuert und hatte so eine Angewohnheit: Wenn der Wind stark blies, lief ich zum Deich, legte mich in den Wind und schrie meine ganze Wut in den Wind hinaus. Dann las ich den Schimmelreiter und merkte: Du bist nicht allein! Seitdem interessiert mich diese Hauke-Haien-Figur, die sich in ihrer Existenz ständig mit der Natur rückkoppelt. Es geht dabei natürlich zugleich um die erbarmungslose innere Natur der Person, aber auch um die Erbarmungslosigkeit der äußeren Natur. Beides ist eigentlich immer Thema bei mir. Später habe ich dann den Schimmelreiter im Abstand von knapp 10 Jahren zwei Mal dramatisiert. Ich bin treu.

MS: Sie arbeiten nicht nur mit Berufsschauspielern, sondern auch mit Laiendarstellern. Was reizt Sie an der Arbeit mit Amateuren?

FD: Das Schöne ist, dass ich beides habe. Ob ich mit Profis arbeite, mit Studenten oder mit Amateuren – immer geht es um den Versuch, etwas Wahrhaftiges im Theater abzubilden. Diese Suche nach Genauigkeit und Redlichkeit ändert sich nie, egal welche Geschichte man erzählt und mit wem man arbeitet. Was ich an Amateuren schätze, ist, dass sie noch eine größere Unverstelltheit zu sich selbst haben. Insofern hat Theater mit Laien immer viel mit den Menschen zu tun, die es spielen. Wir alle begeben uns auf eine gemeinsame Reise

MS: Berufsdarsteller wahren also eine größere Distanz zu sich selbst, wenn sie eine Rolle spielen?

FD: Das müssen sie ja auch. Der Beruf des Schauspielers setzt eine bestimmte Form der Abstraktion voraus, die man hinbekommen muss, um Emotionen zeigen zu können. Diese Technik lernt man in der Schauspielausbildung.

MS: In Husum möchten Sie das Publikum auf eine Ebene mit den Schauspielern bringen.

FD: Es werden Kammerspiele, das ist klar. Wir wollen, dass die Schauspieler mit ihrer natürlichen Stimme und ihrer natürlichen Anwesenheit die Menschen berühren. Wir können uns dabei aber durchaus vorstellen, mit einer kleinen Bühne zu arbeiten. Wichtig ist, dass ein Schauspieler immer von jedem Zuschauer gesehen und erlebt werden kann.

MS: Sie möchten Kostüme und Requisiten möglichst sparsam einsetzen. Ist das ein bewusster Gegenentwurf zur großen Show mit viel Technik und lauter Musik?

FD: Beides finde ich super! Ich habe vor Kurzem in Krakau eine Dreigroschenoper mit jungen Darstellern aus Deutschland und Polen inszeniert. Da haben wir die Sau rausgelassen, weil diese Form des Musiktheaters das gebraucht hat. Es war laut und bunt. Aber das ist nicht die Art, wie ich Storm erzählen möchte. Hier habe ich einen ähnlichen Ehrgeiz wie Storm in seiner Lyrik: möglichst viel wegzulassen, um möglichst viel zu erzählen. Die entscheidenden Bilder sollen in den Köpfen der Zuschauer entstehen. Wenn man im Theater zu aufwendig arbeitet, besteht die Gefahr, dass das Publikum es schwerer hat, eine eigene Fantasie zu entwickeln. Damit kränkt man den Zuschauer, indem man sagt: Ich trau dir nicht zu, dass du dir das vorstellen kannst! Dennoch geht es nicht um einen Puritanismus wie bei Brecht, der dem Zuschauer ständig vermitteln will: Das hier ist nur Theater, wir spielen das hier nur, damit du über dein Leben und die ungerechte Gesellschaft nachdenkst! Ich mag es schon, wenn Menschen verzaubert und ergriffen sind, wenn sie vielleicht sogar mal weinen oder lachen. Das finde ich sogar enorm wichtig.

MS: Eine Idee ist, mit dem Theaterensemble auch auf die Straße zu gehen, zum Beispiel an eine Bushaltestelle, um spontan kleine Szenen zu improvisieren.

FD: Ja, wir wollen versuchen, Storm in diesem ganz besonderen Jubiläumsjahr in Husum präsent werden zu lassen. Gerade auch bei denen, die von alleine gar nicht auf die Idee kämen, ins Theater zu gehen. Wir wollen Menschen mit Storm überraschen.

MS: Nochmal zurück zum eigentlichen Stück. Die Amateure sollen einen Chor bilden, der im Dialog mit zwei Profischauspielern steht ...

FD: Weil die Lyrik, mit ihrer dichten Emotionalität, als Chor gesprochen verzaubern kann. Das ist das Geheimnis des Chors: Er lässt Dinge so subjektiv erklingen, dass sie objektiv werden. Oder anders gesagt: Wenn ein Chor spricht, dann entsteht der Effekt, dass viele Menschen etwas Gleiches empfinden. Und doch kann jeder das nur für sich selbst erleben. Dieses Zugleich von Harmonie und Differenz berührt uns.

MS: Während Ihrer Studienzeit haben Sie sich mit dem japanischen No-Theater beschäftigt.

FD: Das No-Theater zählt zu den zentralen Erfahrungen meines Lebens. Ich wurde von Yoshi Oida, dem Schauspielleiter von Peter Brook in Berlin und Paris, ausgebildet. Auch meine Liebe zu Japan hängt mit dem No-Theater zusammen. Ich war bisher zwei Mal dort und habe No-Theater-Stücke von Benjamin Britten inszenieren dürfen. Unter anderem kam ich dabei mit Leuten von der japanischen Storm-Gesellschaft zusammen, darunter war ein No-Fachmann. Die haben mir dann ein wichtiges Museum für No-Theater gezeigt. Plötzlich war Storm sogar in Tokio für mich da (lacht).

MS: Beeinflusst diese Theaterform noch Ihre heutigen Inszenierungen?

FD: Absolut! Das No-Theater ist ein sehr formstrenges Theater, das sich überhaupt nicht mit der Psychologie oder den Gefühlen einzelner Personen auseinandersetzt. Es ist das Gegenteil von Selbsterfahrung, wie sie vor allem von Amateurspielern häufig im Theater gesucht wird. Viele möchten im Theater ja einmal etwas sein, was sie im wirklichen Leben nicht sind. Im No-Theater hingegen ist man überhaupt nichts, man stellt nur etwas dar. Vieles von meiner norddeutsch-sparsamen Arbeitstechnik habe ich aus dem No-Theater übernommen, ebenso eine Form der Konzentration. Und ich habe dabei entdeckt, dass der Versuch der Stilisierung der Form wiederum etwas mit Literatur zu tun hat.

MS: Wollten Sie im Theater nie etwas darstellen, das Sie im wirklichen Leben nicht sein konnten?

FD: Doch, natürlich! Meine Geschichte ist ja die eines Schauspielers. Im Alter von 16 Jahren bin ich für die Bühne entdeckt worden. Ich besuchte zu der Zeit das Technische Gymnasium in Meldorf, gleichzeitig habe ich in Nürnberg am Schauspielhaus Teenagerrollen gespielt, Der Fänger im Roggen zum Beispiel. Ich bin froh, diese Erfahrung gemacht zu haben, denn sie hilft mir bei meinem Beruf als Regisseur. 

MS: Die Körperarbeit und das Sprachtraining mit den Amateuren werden bei der Storm-Inszenierung in Husum einen wesentlichen Teil der Arbeit ausmachen.

FD: Ja, ich möchte, dass etwas zum Schwingen kommt auf der Bühne. Gerade chorisches Sprechen braucht intensive Körperarbeit. Meine Hamburger Studenten wollten in den letzten Jahren immer wieder Lieder inszenieren. Das ist ja zunächst nicht dramatisch, aber dann wurde mir klar, dass gesprochene Lyrik seinen eigenen Weg zum Dramatischen findet. An diesem Ausloten, diesem Untersuchen habe ich gerade viel Spaß. Proben sind das Herz des Theaters. Aber wenn die Aufführung dann gut ist, ist das natürlich auch schön.

MS: Wir sind gespannt. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Düwel.  

Interessierte Laiendarsteller können sich ab sofort bei der Storm-Gesellschaft bewerben:

04841/8038630; E-Mail: info[at]storm-gesellschaft[dot]de

Eine Stadt spielt ihren Dichter

Husum, 19. Juni 2016

Storm-Gesellschaft mit Hartmut-Vogel-Preis ausgezeichnet

Dankbar und ein wenig stolz: Christian Demandt, Sekretär der Theodor-Storm-Gesellschaft, mit der Urkunde des Hartmut-Vogel-Preises auf der Dachterrasse der Berliner Akademie der Künste bei der Festveranstaltung anlässlich der Jahrestagung der ALG am Samstag, 28. Mai. Foto: Christian Körner

»Beeindruckende Effektivität in der täglichen Arbeit«

Festabend zur Verleihung des Hartmut-Vogel-Preises an die Theodor-Storm-Gesellschaft
Glückwünsche von Kulturministerin Anke Spoorendonk

Mit Dankbarkeit und Freude nahmen die Verantwortlichen der Theodor-Storm-Gesellschaft am Freitag, 27. Mai 2016, den Hartmut-Vogel-Preis für Literaturvermittlung entgegen. Im Rahmen eines Festabends in der Mendelssohn-Remise in Berlin zeichnete die Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG) die Husumer Storm-Gesellschaft aus. Bereits am Vormittag gratulierte Schleswig-Holsteins Kulturministerin Anke Spoorendonk per Brief.

»Wir sind in bescheidenem Maße stolz auf diesen Preis, insofern wir uns durch ihn verstanden fühlen. ‚Verstanden’, insofern es der Theodor-Storm-Gesellschaft stets ein Anliegen war, in einem emphatischen Sinn ‚Literaturgesellschaft’ zu sein«, erklärte der Präsident der Gesellschaft, Professor Philipp Theisohn in seiner Dankesrede.

Monika Grütters (Mitte), Staatsministerin für Kultur und Medien, gratulierte Christian Demandt für die engagierte Arbeit im Husumer Storm-Zentrum, die mit dem Preis für Literaturvermittlung ausgezeichnet wurde. Foto: Christian Körner

Herausforderungen der postmodernen Welt
Literaturgesellschaften seien in der heutigen Zeit nur überlebensfähig, »wenn sie sich nicht als ein geschlossener Zirkel von Erwählten und Liebhabern begreifen.« Theisohn betonte die gesellschaftliche Herausforderung: Aufgabe sei es vor allem, »durch Texte Menschen zusammenzubringen, sie durch die Literatur zum Reden, zum Denken, zum Lesen und Schreiben zu bewegen, sie sich austauschen, sie sich auch streiten zu lassen.«

Die Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften verleihe den mit 5.000 Euro dotierten Hartmut-Vogel-Preis an die Storm-Gesellschaft nicht für ein einzelnes Event oder eine Veranstaltungsreihe, sondern für die »Tagesarbeit«, mit der sie sich auf den Weg gemacht habe, sich den Herausforderungen der postmodernen Welt zu stellen, erklärte der Vorstandssprecher der ALG, Professor Hans Wißkirchen, in seiner Laudatio.

Museumspädagogische Projekte
Beeindruckend sei dabei insbesondere die Effektivität, mit der die Storm-Gesellschaft arbeite: »Das alles ruht auf den Schultern von wenigen. Das alles ist mit geringem Budget und großem persönlichem Engagement der Storm-Enthusiasten vor Ort geleistet worden. Zudem bei einem Autor, der bei aller Qualität durchaus nicht im Zentrum des literarischen Interesses steht.«

In den Mittelpunkt seiner Würdigung stellte Wißkirchen vor allem das museumspädagogische Engagement des Sekretärs der Gesellschaft, Dr. Christian Demandt. Beispielgebend seien Projekte wie »Schüler führen Schüler«, Projekttage, ein Storm-Tanztheater oder eine Werkstatt im szenischen Schreiben in Kooperation mit den Husumer Gymnasien Hermann-Tast-Schule und Theodor-Storm-Schule. Wißkirchen: »Das sind durchweg Projekte, die dann sowohl der Stadtöffentlichkeit als auch den Besuchern der Storm-Tagungen und den Benutzern der Website zugute gekommen sind.«

Museum und Forschungszentrum
»Zukunftsweisend für die ALG« nannte der Vorstandssprecher den überarbeiteten Internetauftritt und die intensivierte Öffentlichkeitsarbeit. Damit seien Rückgänge im Besuch des Storm-Museums in der Husumer Wasserreihe und in der Mitgliederzahl der Gesellschaft gestoppt worden. »Allein im letzten Jahr kamen 60 neue Mitglieder hinzu.«

Diese Aktivitäten »gehen einher mit anspruchsvollen wissenschaftlichen Veranstaltungen und Publikationen, die ja das Ansehen der Gesellschaft, des Hauses als eines sehenswerten Museums und Forschungszentrums begründen und festigen.«

Laudator Hans Wißkirchen (r.) mit (v. l.) Christian Demandt, Philipp Theisohn, Tim Weckmar und Niklas Friedrichsen. Foto: Christian Körner

Gewinnbringende Kooperation mit Schulen
Christian Demandt dankte bei der Entgegennahme des Preises für die »wertschätzenden Worte«. Als hauptberuflicher Lehrer an der Hermann-Tast-Schule und nebenberuflicher Leiter des Storm-Zentrums verwies er auf die für beide Seiten gewinnbringende Arbeit. »Ganz entscheidend war, dass wir in der Storm-Gesellschaft den Schülern etwas bieten konnten, was Schule sonst so nicht bietet: nämlich Freiheit, nach eigenen Interessen kreativ werden zu können« betonte Demandt.

»Die Storm-Gesellschaft hat lediglich einen Raum und einen Rahmen vorgegeben, ohne den das Projekt nicht zu organisieren wäre.« Wie das Projekt realisiert wurde, davon berichteten beim Festabend mit Niklas Friedrichsen und Tim Weckmar zwei ehemalige Schüler des Husumer Gymnasiums, die nach dem Abitur im Storm-Zentrum ein Jahr Bundesfreiwilligendienst leisteten.

Glückwünsche von Kulturministerin Spoorendonk
Die ersten Glückwünsche zum Hartmut-Vogel-Preis erreichten die Verantwortlichen der Storm-Gesellschaft bereits am Freitagvormittag. In einem Schreiben an Christian Demandt hob Schleswig-Holsteins Kulturministerin Anke Spoorendonk das große Engagement der Theodor-Storm-Gesellschaft hervor:
»Ich freue mich, dass insbesondere die Vermittlung von Werk und Leben Theodor Storms an ein junges Publikum mit diesem Preis ausgezeichnet wird. Sie machen sich seit vielen Jahren dafür stark, Jugendliche für das Werk Theodor Storms zu begeistern, und es ist Ihrem Einsatz zu verdanken, dass das Storm-Zentrum heute sowohl ein lebendiger Ort der Literaturvermittlung als auch der Sitz einer der größten literarischen Gesellschaften in Deutschland ist.«

Berlin, 29. Mai 2016

heodor-Storm-Gesellschaft freut sich über den Hartmut-Vogel-Preis

Die Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG) zeichnet die Theodor-Storm-Gesellschaft in Husum mit dem Hartmut-Vogel-Preis aus. Das gab der Dachverband der Literarischen Gesellschaften und Literaturmuseen am Mittwoch, 27. April 2015, in Berlin bekannt. »Wir freuen uns riesig über diese unerwartete Auszeichnung«, erklärt der Sekretär der Storm-Gesellschaft, Dr. Christian Demandt.
2017 feiert die Gesellschaft den 200. Geburtstag Storms mit einer Vielzahl an Veranstaltungen. »Das Festjahr stellt uns vor große Herausforderungen. Hierfür ist der Hartmut-Vogel-Preis eine Vitaminspritze gerade zur rechten Zeit.«
 
Forschung und schulische Arbeit
Die ALG würdigt mit der Auszeichnung die »grundlegende und umfassende Neuausrichtung« der Storm-Gesellschaft, die in Husum das Storm-Zentrum mit Archiv, einer Forschungsbibliothek und einem Museum betreibt. »Hervorzuheben ist dabei die Vermittlungsarbeit für ein junges Publikum«, erklärt der Dachverband in einer Pressemitteilung.
Er verweist dabei exemplarisch auf das Projekt »Schüler führen Schüler«, die Schreibwerkstatt zum szenischen Schreiben mit dem Berliner Autor Kristo Šagor oder das Storm-Tanztheater. »Anspruchsvolle wissenschaftliche Tagungen und Publikationen unterstützen die Zusammenführung der Storm-Forschung mit der schulischen Arbeit.«
 
Feierstunde am 27. Mai
Die ALG verweist ferner auf »das erweiterte Veranstaltungsprogramm und die Etablierung neuer Formate«, mit der die Storm-Gesellschaft den Besucherrückgang gestoppt und die Mitgliedszahlen gesteigert habe. Mit 1.200 Mitgliedern zählt sie zu den größten literarischen Gesellschaften Deutschlands. »Natürlich ist das eine große Ehre für unsere Gesellschaft. Vor allem aber ist es der Verdienst der vielen Mitarbeiter in und um das Storm-Haus, die schlichtweg seit Jahren großartige und vorbildliche Arbeit leisten. Ihnen gilt mein Dank und ihnen gebührt auch der Preis«, sagt Prof. Philipp Theisohn, seit September 2015 Präsident der Gesellschaft.

Die Verleihung des mit 5.000 Euro dotierten Hartmut-Vogel-Preises erfolgt in einer Feierstunde am 27. Mai in Berlin. Die Laudatio hält der Vorstandssprecher der Arbeitsgemeinschaft, Professor Hans Wißkirchen.

Husum, 27. April 2016