Storms Heiligenstädter Schaffensphase

Anne Lene unter den Apfelbaum; Illustration zu »Auf dem Staatshof« von Ludwig Pietsch (1857)

Künstlerisch war es für Theodor Storm in Heiligenstadt eine produktive Zeit: Mit Novellen wie Auf dem Staatshof (1859), Drüben am Markt (1861), Veronica (1861), Im Schloss (1862) und Auf der Universität (1863) gelang ihm der Durchbruch zum realistischen Erzähler. Er schrieb u.a. Gedichte mit Weltanschauungscharakter wie Ein Sterbender oder An deines Kreuzes Stamm o Jesu Christ, die auch angeregt wurden durch seine Auseinandersetzung mit dem Glauben im tief katholischen Eichsfeld. Darüber hinaus sind hier drei der schönsten Kunstmärchen des poetischen Realismus entstanden bzw. konzipiert worden, Storms Die Regentrude (1864), Bulemanns Haus (1864) und Der Spiegel des Cyprianus (1865). Und nicht zu vergessen: Der Weihnachtsfreak Storm schrieb hier neben Weihnachtserzählungen wie Unter dem Tannenbaum (1862) und Abseits (1863) seine vielleicht populärste Weihnachtsdichtung: Knecht Ruprecht (1862). Die Verse hat er in einer ersten Fassung als Gelegenheitsdichtung für seine Kinder zum Weihnachtsfest verfasst.
Erlebnisse aus der kleinen Stadt im Eichsfeld und Landschaftserfahrungen haben auch späterhin noch in der Novellistik Theodor Storms nachgeklungen: Zum Beispiel beschreibt er in der Künstlernovelle Eine Malerarbeit (1867) den wundervollen Blick, den man von der Teufelskanzel ins Werratal hat, und noch in Pole Poppenspäler (1874) verarbeitet er ein Erlebnis seines ältesten Sohnes Hans mit einer Roma-Familie in Heiligenstadt zu Anfang des Jahres 1864.

Text: Regina Fasold (Heiligenstadt)