Storm-Häuser in Husum

Häuserfront am Binnenhafen zu Storms Zeit

Theodor Storm fühlte sich ein Leben lang seiner Geburtsstadt Husum verbunden. Bis in die 1870er-Jahre hinein hatte die Stadt »ein ziemlich alterthümliches Gepräge, viele Häuser noch mit Treppengiebeln« bewahrt, wie Storm 1873 an die österreichische Schriftstellerin Ada Christen schrieb. Dieses Stadtbild hatte seine Prägung im 16. Jahrhundert erhalten, als Husum eine wirtschaftliche Blütezeit erlebte. Auf Storm übte es einen eigentümlichen Reiz aus. Häuser, die im 18. Jahrhundert seinen Vorfahren mütterlicherseits gehört hatten, vermittelten ihm zudem »den Eindruck der alten und älteren Zeit« (Storm 1873). Der Dichter hat diese Häuser zu Schauplätzen einiger seiner Prosawerke gemacht wie auch andere von ihm in Husum bewohnte Häuser.

Über sein Elternhaus, das im 18. Jahrhundert von seinem Urgroßvater errichtete Haus Hohle Gasse 3, schreibt Storm: »Von Allen, die einst darin lebten und starben, war eine Spur zurückgeblieben; uns, die wir ihres Blutes waren, trat sie überall entgegen und gab uns das Gefühl des Zusammenhanges mit einer großen Sippschaft« (Von heut' und ehedem, 1873/74). Diese »Spur« zu suchen war ein produktiver Grundantrieb von Storms dichterischem Schaffen: »Die Spur von meinen Kinderfüßen sucht' ich … doch konnt' ich sie nicht finden«, heißt es in einem Gedicht. »Storm widmete nicht von ungefähr den Familienhäusern in Husum eine Vielzahl von Beschreibungen in seinen Novellen«, hat die Literaturwissenschaftlerin Regina Fasold dazu bemerkt: »Seine Raumcharakteristika vermitteln allerdings neben dem sichernden und identitätsstiftenden ›Gefühl des Zusammenhangs mit einer großen Sippschaft‹ auch ein geradezu gegenteiliges Erlebnis, das für Storm so charakteristische beunruhigende Vergänglichkeitsempfinden. Seine Imaginationskraft bindet sich in den Räumen an tote Dinge, die für ihn mit großer Macht in das einst Lebendige hinabreichen und die ihm so auch zu Zeichen der Geschichte als Verfallsgeschichte werden, an dessen Ende er einsam zu stehen scheint. Man befindet sich hier bereits in einem zentralen Spannungsfeld der gesamten späteren Stormschen Dichtung« (Regina Fasold: Theodor Storm. Stuttgart/Weimar 1997, S. 3).

Die lokale Wirklichkeit hinter dieser Dichtung zu rekonstruieren, um von hier aus nachzuvollziehen, wie Storm Wirklichkeit literarisiert, also literarisch funktionalisiert, bieten die Storm-Stätten in Husum einzigartige Möglichkeiten (Link zum Projekt Literaturgeographie am Lehrstuhl von Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Detering).