Konventionen und Tabubrüche – Theodor Storm als widerspenstiger Erfolgsautor des deutschen Realismus

Internationale Storm-Tagung in Lüttich am 22.–24. November 2017

Das germanistische Seminar der Universität Lüttich (Belgien), an dem seit mehr als 30 Jahren eine rege und über die belgischen Grenzen hinaus anerkannte Storm-Forschung betrieben wird, feiert im Jahre 2017 ein doppeltes Jubiläum: den 200. Geburtstag Theodor Storms sowie das 200jährige Bestehen der noch vor der Unabhängigkeit Belgiens gegründeten Universität Lüttich. Aus diesem doppelten Anlass wird vom 22. bis 24. November 2017 ein internationales Kolloquium zu Theodor Storm in Lüttich stattfinden. »Konventionen und Tabubrüche – Theodor Storm als widerspenstiger Erfolgsautor des deutschen Realismus« lautet der Titel dieser Tagung, die von Louis Gerrekens, Valérie Leyh und Eckart Pastor organisiert wird. Es gilt zu zeigen, inwiefern sich Storm in seinen Texten an den damaligen Normen und Vorgaben abarbeitet, diese mancherorts laut oder leise ignoriert oder gar ad absurdum führt, während er ihnen andernorts brav und erfolgsorientiert Respekt zollt. Ergänzt wird das wissenschaftliche Programm durch mehrere kulturelle Aktivitäten, und zwar unter anderem durch die Uraufführung von Eckart Pastors Theaterstück Frau Storm. Ein Kammerspiel.
Eine schöne Gelegenheit also, Storms Texte vor einem neuen Hintergrund zu lesen, zahlreichen Stormforschern zu begegnen und zugleich die ›Cité ardente‹, die alte und zugleich feurige, in vielerlei Hinsicht unkonventionelle Stadt Lüttich zu entdecken!

Referenten: Christian Begemann, Roland Berbig, Christoph Brüll, Christian Demandt, Heinrich Detering, Gerd Eversberg, Regina Fasold, Louis Gerrekens, David A. Jackson, Valérie Leyh, Christian Neumann, Eckart Pastor, Anne Petersen, Irmgard Roebling, Malte Stein, Philipp Theisohn.

Frau Storm. Ein Kammerspiel

von Eckart Pastor

Im Mittelpunkt von Frau Storm stehen Theodors beide Ehefrauen. Wir nennen das Stück nicht wegen des bescheidenen theatralischen Aufwandes ein »Kammerspiel«, sondern eher weil es in erster Linie ein Spiel ist, in dem es um Herzkammern und Schlafkammern geht, freilich auch um die anderen berühmten K.s: Kinder, Küche und  …  Kirchhöfe. Anders gesagt (und in Anlehnung an Adalbert von Chamisso und Robert Schumann):  Frauenleben, -liebe und -leiden im 19. Jahrhundert. Dennoch ist Frau Storm durchaus kein Trauerspiel. Und auch keine Farce, obschon uns das Traurige und das Empörende der Geschlechterbeziehungen in ›der guten alten Zeit‹ lächerlich erscheinen mögen. Aber haben wir wirklich hinreichend Grund, uns darüber lustig zu machen?

Eckart Pastor und Robert Germay

Kontakt
Louis Gerrekens, Valérie Leyh, Eckart Pastor
Université de Liège
Département de Langues et Lettres modernes
Service d’allemand
Place Cockerill 3-5
B-4000 Liège
Belgien

Louis.Gerrekens[at]ulg.ac[dot]be
Valerie.Leyh[at]ulg.ac[dot]be
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