Liederabend in der Landesvertretung

Foto: Peter E. Rytz

Die letzte Veranstaltung des Jahres 2017 in der Landesvertretung Schleswig-Holsteins in Berlin war ein Liederabend am 1. Dezember anlässlich Theodor Storms 200. Geburtstag. Nach einer kurzen Einführung von Christian Demandt (rechts) wurden vor allem Kompositionen von Marius Felix Lange (links) aufgeführt, gesungen von Sebastian Noack (unten rechts), Professor für Gesang an der Hochschule für Musik Hanns Eisler, Berlin. Sein Partner am Klavier war Manuel Lange (unten links), der Zwillingsbruder des Komponisten, Professor für Liedbegleitung und Liedgestaltung an der Hochschule für Musik in Detmold. Ein besonderer Höhepunkt des Abends waren einige Uraufführungen. Das zahlreich erschienene Publikum war begeistert.

Foto: privat

Kritik des Liederabends ...

Husum, 5. Dezember 2017

Feierstunde für Storm im Hanse-Office in Brüssel

Regina Fasold, Valerie Leyh, Philipp Theisohn, Eckart Pastor, Thorsten Augustin, Rüdiger Lüdeking

Der regen Storm-Forschung in Belgien, vor allem vertreten an der Lütticher Universität, verdankt sich eine ehrenvolle Feierstunde aus Anlass des 200. Geburtstags Theodor Storms: Am 21. November lud das Hanse-Office in Brüssel zu einem literarischen Abend. Nach einer Begrüßung durch den Hausherrn Thorsten Augustin sprachen der Präsident der Storm-Gesellschaft, Philipp Theisohn, und Regina Fasold, Leiterin des Heiligenstädter Stormmuseums. Valerie Leyh und Eckart Pastor, beide Storm-Forscher aus Lüttich, hatten den Abend initiiert, an dem auch der deutsche Botschafter in Belgien, Rüdiger Lüdeking, teilnahm.

Husum, 27. November 2017

Festabend für Storm und Mommsen in Kiel

Von links nach rechts: Philipp Theisohn, Tanja Wedhorn, Oliver Mommsen, Simon Strauß, Andrea Paluch, Landtagspräsident Klaus Schlie, Roman Knižka. Foto: Schleswig-Holsteinischer Landtag

Gemeinsam mit dem Kieler Landtag und NDR Kultur hatte die Storm-Gesellschaft am 20.11. zu einem Festabend anlässlich des doppelten 200. Geburtstags von Theodor Storm und Theodor Mommsen eingeladen. Die zahlreich erschienenen Besucher erlebten einen mitreißenden Abend im Kieler Landeshaus. Nach Grußworten von Landtagspräsident Klaus Schlie und Storm-Präsident Philipp Theisohn lasen die Schauspieler Oliver Mommsen (ein Ururenkel von Theodor Mommsen) und Roman Knižka aus dem Briefwechsel Storms mit Mommsen, die Schauspielerin Tanja Wedhorn rezitierte dazu Gedichte aus dem Liederbuch dreier Freunde. Anschließend diskutierten die Schriftstellerin Andrea Paluch und der Mommsen-Forscher Simon Strauß über »Poesie und Politik«. Moderiert wurde die Diskussion von NDR-Redakteur Jan Ehlert, der auch die Lesung zusammengestellt hatte.

Oliver Mommsen (links) liest Texte seines Ururgroßvaters Theodor Mommsen, Tanja Wedhorn rezitiert Gedichte, Roman Knižka liest Storm-Briefe. Fotos: Schleswig-Holsteinischer Landtag

Husum, 22. November 2017

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Besuch im Theodor-Storm-Haus

Oben: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender bei einem Gang durchs Storm-Haus mit Philipp Theisohn und Christian Demandt. Anschließend diskutierte der Bundespräsident mit Jugendlichen im Viola-tricolor-Zimmer (unten). Fotos: Max Brüchmann (10)

Links: Während der Diskussion. Rechts: Nach der Diskussion: Ministerpräsident Daniel Günther und seine Frau Anke mit Christian Demandt

Roman Mulke präsentiert eine Storm-Werkausgabe aus dem Besitz von Thomas Mann mit Bleistiftnotizen des Literaturnobelpreisträgers

Elke Büdenbender bestaunt einen silbernen Kinderbecher Theodor Storms mit Gravur

Bjarne Albertsen erläutert Storms Gedicht Für meine Söhne

Martje Sältz stellt Storms »Möwentasse« vor

Husum, 8. Oktober 2017

Frank Düwels Storm-Theater begeistert Husum

Fotos: Max Brüchmann (5)

Husum, 18. September 2017

»Bürger auf Abwegen« im Landeshaus

Foto: Schleswig-Holsteinischer Landtag

Auf großes Interesse stieß die Begleitveranstaltung zur Ausstellung »Bürger auf Abwegen: Thomas Mann und Theodor Storm«. Über 600 Gäste kamen am 6.2.2017 ins Landeshaus, wo Heinrich Detering die von ihm initiierte und kuratierte Ausstellung vorstellte.

Husum, 7. Februar 2017

Wie ich zu Storm kam

Karl Ernst Laage im Gespräch mit Christian Demandt

Fotos: Max Brüchmann (8)

Laage: Weißt Du, dass heute mein Tag ist?

Demandt: Dein Tag?

Der Tag, an dem ich verhört wurde. An dem sich entschied, ob ich nach fünf Jahren Gefangenschaft zurück durfte nach Deutschland, oder ob sie mich dabehalten.

Das war am 20. Dezember?

Ja, das war mein Tag, der 20. Dezember 1949. Da wurde ich hinaufbefördert in die siebte Etage eines Hochhauses. Und, stell Dir vor, da sitze ich am Tisch, so wie wir hier. Links sitzt die Dolmetscherin, und dort, wo Du jetzt bist, der Major. Und als ich näher hinschaute, sah ich, dass das Protokoll, das ich fünf Jahre zuvor unterschrieben hatte, dort liegt. In der Gefangenschaft mussten wir alle einen vierseitigen Bogen ausfüllen. Darin wurde alles festgehalten: Wo man gekämpft hatte, in welcher Einheit und so weiter. Man hatte mir damals gesagt: Behalten Sie alles im Kopf, was Sie jetzt ausfüllen. Und dann kamen die nun an Stellen, von denen ich noch genau wusste, was ich damals gesagt hatte. Die wollten mich natürlich überführen, dass ich die Unwahrheit sage. Nach dem Verhör traf ich meinen russischen Vorgesetzen, der sagte zu mir: Sie sind durch! Und dann wurde ich am 24. Dezember verladen und bin am letzten Tag des Jahres noch schnell über die Grenze gejagt worden.

Du konntest damals schon Russisch.

Das war das Gute. Als die Dolmetscherin bei einer Sache skeptisch nachfragte bei dem russischen Major, habe ich sie verstanden und konnte richtig reagieren.

1940 bist Du Soldat geworden, damals warst Du 19 Jahre alt.

Ja, und nun sitze ich hier.

Du hast auch zwei Bücher über Russland geschrieben, nach 1989, als Du erleben durftest, wie Vieles wieder gut wurde. [Spurensuche in Moskau und Twer. Erinnerungen an Menschen, Gebäude und Arbeitslager. Berlin 2006; Russland, gestern und heute. Persönliche Begegnungen. Heide 2009.]

Ich bin traurig, dass das Verhältnis zu Russland mittlerweile wieder so schlecht ist. Und ich bin mit unseren Politikern nicht einverstanden, dass sie sich nicht genügend darum bemühen.

Aber findest Du nicht auch, dass Putin eine skrupellose, zynische Machtpolitik betreibt?

Leider. Ich habe mich in ihm getäuscht. Als ich die Russland-Bücher schrieb, da war Putin, sagen wir mal, noch bürgerlicher. Aber jetzt müssen wir mal zu Storm kommen, oder?

Ja, wie kommen wir von Russland zu Storm? Eigentlich aber ist das gar nicht so schwer.

Weil ich durch den russischen Dichter Turgenjew zu Storm gekommen bin, nicht umgekehrt. Interessant, oder? In der Gefangenschaft entdeckte ich Turgenjew, das hat mich damals richtig umgehauen. Als ich Frühlingsfluten las, dachte ich: Das ist ja wie Immensee! Und so kam ich zu Storm. Natürlich hatte ich Storm vorher gelesen, auch als Thema im Abitur gehabt, aber ich hatte nicht wirklich viel mit ihm im Sinn.

Dein Vater ist Sekretär der Storm-Gesellschaft gewesen [Carl Laage war von 1950 bis 1966 Sekretär der Storm-Gesellschaft].

Ich bin ihm nachgefolgt, das war vor 50 Jahren. Da musste ich sofort das Jubiläumsjahr organisieren, anlässlich Storms 150. Geburtstag am 14. September 1967.

Thema der Jahrestagung waren dann die Beziehungen von Storm und Turgenjew.

Dazu habe ich auch das Jubiläumsheft geschrieben [Theodor Storm und Iwan Turgenjew. Persönliche und literarische Beziehungen, Einflüsse, Briefe, Bilder. Heide 1967].

Nun hast Du wieder ein Jubiläumsbuch zusammengestellt. Darin gibt es einen schönen kleinen Aufsatz zur Herkunft des Wortes ›Husumerei‹. Die Spur führt wiederum nach Russland.

Das ist mir erst bei meinen Untersuchungen bewusst geworden. In Gontscharows Roman Oblomow wird die Lebensart der Hauptfigur mit dem Begriff ›Oblomowschtschina‹ bezeichnet, was man mit ›Oblomowtum‹ wiedergeben könnte. Ludwig Pietsch greift diesen Begriff in einem Zeitungsartikel auf, Anlass war Turgenjews Tod 1883. Allerdings nennt er es nun ›Oblomowerei‹. Damit umschreibt er Turgenjews russische Lebensart. Wenig später tauchen dann plötzlich bei Fontane diese Wortbildungen mit dem Suffix ›-ei‹ auf, zuerst in Briefen, später in Frau Jenny Treibel. Da ist von der ›Treibelei‹ und der ›Hamburgerei‹ die Rede. In der Erinnerungsschrift für Storm fällt das Wort ›Husumerei‹, womit er Storms Lokalpatriotismus ironisch karikiert. An und für sich ist das Wort entstanden aus dem Gefühl heraus, Storm habe nicht genügend Ehrfurcht gehabt vor dem Alten Fritz und den Preußen.

Diese Etymologie des Begriffs ›Husumerei‹ kannte ich bisher nicht.

Keiner wusste das. Ich habe es in den Fontane-Blättern veröffentlicht, aber die Fontane-Leute sind nicht darauf angesprungen. Deshalb habe ich es jetzt in das Buch mit reingenommen. Ist eine interessante Sache, nicht? Da könnte man noch mehr drüber schreiben. Du könntest darüber schreiben.

Weißt Du, was mir neulich aufgefallen ist? In Fontanes Ballade Archibald Douglas gibt es diesen Vers »So komme, was da kommen soll, und komme, was da mag«. Das hat er doch von Storm, oder? 1854 veröffentlicht Fontane in der Argo Storms Gedicht Trost mit dem Anfangsvers »So komme, was da kommen mag«. Im Dezember desselben Jahres trägt Fontane dann in kleinem Kreis in Berlin das erste Mal seine Ballade vor, Storm ist anwesend.

Donnerwetter, fabelhaft.

Bestimmt ist das schon mal irgendwem aufgefallen. Gibt es eigentlich etwas, das Du gerne geschrieben hättest, aber noch nicht geschrieben hast?

Also ja, ich hätte da noch ein Thema. Aber das ist nicht attraktiv genug: das Urgroßvaterhaus. Da habe ich schon einmal etwas drüber geschrieben. Auch in diesem Buch. Aber da könnte man noch mehr drüber schreiben. Die Bedeutung dieses Hauses für Storm wird immer noch unterschätzt. Ich zähle nur mal auf, wo das Haus eine Rolle spielt: In Immensee, in Von heut’ und ehedem, im Schimmelreiter, in Carsten Curator. Das Urgroßvaterhaus gibt sozusagen die räumliche Grundstruktur von Carsten Curator vor.

Du weißt das auch deshalb, weil Du in dem Haus drin gewesen bist, bevor es abgerissen wurde.

Ja, und Storm schreibt in einem Brief an einen Greifswalder Professor, dem er ein paar Bilder von Husum schickt: Dies ist mein Urgroßvaterhaus, das beschreibe ich im Eingang von Immensee. Und dann zitiert er. Es ist dasselbe Haus wie in Carsten Curator. Und es gibt noch einen Vers bei Storm, der ist ganz großartig, da heißt es: »Muskathyazinthen – ihr blühtet einst in Urgroßmutters Garten; das war ein Platz; weltfern, weit, weit dahinten«.

Dieser Garten lag aber nicht direkt bei dem Haus, oder?

Das ist die Frage. Das habe ich jetzt aber herausbekommen. Der Garten lag an der Husumer Au, er kommt auch in der Erzählung Im Saal vor. Darüber will ich auch nochmal schreiben. Als das Hinterhaus des Urgroßvaterhauses in den 1990er Jahren abgerissen wurde, konnte ich Reste der alten Stuckdecke retten, die mehrmals bei Storm erwähnt werden.

Der Saal wurde Ende der 1990er Jahre abgerissen?

Nein, der Saal war schon zu Storms Zeiten bei einem Umbau zerstört worden. Aber das Hinterhaus stand noch bis in die 1990er Jahre. Als es abgerissen wurde, fanden sich unter der Zwischendecke noch Reste der alten Stuckdecke, von der Storm berichtet. Nach 150 Jahren! Ist das nicht wunderbar? Sie liegen bei Dir oben im Archiv, Du kannst sie in Deiner neuen Ausstellung zeigen.

Du hast viel ausgegraben in Deinem Forscherleben, Karl Ernst. Als Du geboren wurdest, lag der Erste Weltkrieg gerade zwei Jahre zurück, Storms 100. Geburtstag drei Jahre. Nun feiern wir bald Storms 200. Geburtstag. Was empfindest Du bei diesen Zahlen?

Dass ich 96 Jahre alt bin, ist nicht so spektakulär. Spektakulär ist, was ich durchgemacht habe.

Das Buch Theodor Storm zum 200. Geburtstag. Aufsätze, Untersuchungen, Dokumente erscheint im Februar im Boyens Buchverlag und kostet 19,95 ¤.

Am 30. März um 19.30 Uhr stellt Karl Ernst Laage das Buch im Storm-Haus vor, Eintritt frei. Reservierungen erbeten: 04841/8038630.

Husum, 26. Januar 2017