Storm-Tagung

Einmal jährlich findet im September in Husum die Internationale Storm-Tagung statt: mit einem vielfältigen kulturellen und wissenschaftlichen Programm zu einem bestimmten Thema. Zu jeder Tagung gehört auch eine Exkursion innerhalb Schleswig-Holsteins zu Zielen, die unmittelbar oder mittelbar mit Theodor Storm und der Landschaft Norddeutschlands zusammenhängen.

Die nächste Storm-Tagung findet vom 6. bis 8. September 2019 in Husum statt:

Thema »Storms Lyrik«

Tagungsort: Hotel Altes Gymnasium, Husum

Beschreibung des Themas:

Dass ausgerechnet Theodor Storms Lyrik lange Zeit von der Forschung vernachlässigt wurde, steht in eigentümlichem Widerspruch zum Selbstverständnis des Dichters, der sich »wesentlich« als Lyriker begriff (gegenüber Westermann, 1868). Auch seine Novellistik sei »aus meiner Lyrik erwachsen« (an Erich Schmidt, 1882), konstatierte Storm. Als er 1868 mit dem Verleger Westermann über eine Werkausgabe verhandelt, schreibt ihm Storm, er dürfe »als Lyriker den Anspruch erheben, daß von denen, die in dem letzten Vierteljahrhundert in die Literatur eingetreten sind«, er »der Einzige« sei, der »dauernde Spur getreten hat«. Seine »ganze dichterische und menschliche Persönlichkeit, alles was von Charakter, Leidenschaft und Humor in mir ist«, fände sich »nur in den Gedichten, dort aber ganz und voll«. Gegenüber dem Literaturhistoriker Alfred Biese präzisiert Storm 1884, er sei »der letzte Lyriker« einer Traditionslinie, die beim ›Erlebnisgedicht‹ der Goethezeit beginne und über die Romantiker bis zu Heine und ihm selbst verlaufe. Die Storm-Philologie hat das damit verbundene poetologische Konzept seit den 1980er Jahren in verschiedenen Einzeluntersuchungen und Studien zunehmend genauer beleuchtet (zu nennen sind vor allem die Arbeiten von Dieter Lohmeier, Marianne Wünsch, Heinrich Detering, Irmgard Roebling und zuletzt Anne Petersen). Insbesondere die »Musikalität von Storms Lyrik« (so ein Vortrag von Roebling 2013) rückte dabei in den Fokus. Die Worte des Gedichts, schreibt Storm, müssten »durch die rhythmische Bewegung und die Klangfarbe des Verses gleichsam in Musik gesetzt und solcherweise wieder in die Empfindung aufgelöst sein, aus der sie entsprungen sind« (Vorwort zum Hausbuch aus deutschen Dichtern seit Claudius, 1870). Das musikalische Prinzip ist somit poetologisch eng verknüpft mit Storms Verständnis von ›Erlebnislyrik‹ – als einer Lyrik, die gerade durch ihre musikalische Wirkung »beim Leser den Eindruck eines spontanen Situationsbezugs zu erzeugen sucht« (Detering 2004): Das Gedicht soll als sinnliches Erlebnis eben jene Emotionen evozieren, die das Gedicht veranlasst haben. Dass hierbei auch dem performativen Akt des Rezitierens Bedeutung zukommt (biografisch für Storm bezeugt z.B. von Fontane), wurde ebenso bemerkt wie die Nähe zur Musik, die hierin wiederum augenfällig wird (Anne Petersen 2017 im Storm-Handbuch). Analogien zu Storms Tätigkeit als Chorleiter und Sänger liegen auf der Hand. Vor diesem Hintergrund will die diesjährige Tagung das Thema der Lyrik Storms weiter perspektivieren – zum einen in Form von wissenschaftlichen Kurzvorträgen (am Samstagvormittag und -nachmittag) sowie der Vorstellung des erstmals vollständig edierten Briefwechsels zwischen Storm und Westermann (am Freitagabend), zum anderen am Samstagabend als hochkarätig besetztes Vortragskonzert. Hierfür konnten die Pianistin Christiane Behn und die Sopranistin Daniela Bechly gewonnen werden. Knappe Erläuterungen zu den Gedichten durch den Literaturwissenschaftler Malte Stein ergänzen die Darbietung der vertonten Storm-Gedichte. Wie immer beschließt eine Exkursion in die Landschaft Storms am Sonntag die Tagung.

Call for Papers für Kurzvorträge (20 Minuten) bitte versehen mit Arbeitstitel, Kurzexposé und Informationen zu Ihrer Person an: info@storm-gesellschaft.de