Veranstaltungen
Wir Kinder der Leichtigkeit
Geschichte eines Lebensgefühls
Dirk von Petersdorff
Lesung mit Gespräch
Moderation: Christian Demandt
Do, 23.4.26 | 19.30 Uhr
Mit dem Ende der Siebzigerjahre begannen die großen Weltdeutungen zu bröckeln.
Der Marxismus, die Erzählung vom Fortschritt durch Naturbeherrschung und andere Fortschritts-ideen lösten sich langsam, aber sicher auf. Befreit von derart schweren Überzeugungen entstand ein Gefühl der Leichtigkeit und Freiheit, das alles durchdrang. Dirk von Petersdorff erzählt auf zauberhaft anschauliche Weise von diesem Lebensgefühl – und fragt sich, was daraus in der Gegenwart geworden ist.
Mit dem Abschied von den großen Fortschrittsideen brach ab den späten Siebzigerjahren die Zeit einer neuen Leichtigkeit an. Damals wurde nicht nur das Denken unbeschwerter. Es wurden auch Schuhe mit Luftsohle erfunden, schnell und federnd. Statt Rouladen, die mit einem Bindfaden fixiert, mit Klößen und Rotkohl serviert wurden, aß man Salate und Müsli, und Michael Jackson tanzte den Moonwalk. In dieser Zeit ohne feste Gewissheiten entzog sich das Alltagsleben mehr und mehr der Kontrolle, die Grenzen zwischen den Ländern und die Abgrenzungen der Menschen untereinander wurden immer durchlässiger.
Doch seit der Jahrtausendwende ist dieses Lebensgefühl in Bedrängnis. Autoritäre Tendenzen und neue Kriege haben zu einer überall spürbaren Verunsicherung geführt. In dieser allgemeinen Haltlosigkeit suchen wir nach sichernden Zusammenhängen. Wie lässt sich die freie Lebensweise fortführen, wie muss sie sich verändern? Dirk von Petersdorff sucht dafür nach Vorbildern in der Gegenwart. Selbst ein Kind der Leichtigkeit, erinnert er sich in seinem wunderbaren Buch an eine Vergangenheit, von der wir uns nur wünschen können, dass sie weiterlebt.
- Storm-Haus, Wasserreihe 31
- Karten: 14 / 9 Euro
Do, 23.4.
19.30 Uhr
Storm auf der Bühne
Frank Düwel im Gespräch
Do, 4.6.26 | 19.30 Uhr
Seit über 20 Jahren inszeniert Frank Düwel – Regisseur, Autor, Theaterproduzent und Dozent für Musiktheater an der HfMT in Hamburg – Novellen und Gedichte von Theodor Storm für die Bühne. Dabei etablierte er in Hanerau-Hademarschen eine reizvolle Form der generationenübergreifenden Bürgerbühne. In der Scheune des historischen Gutshofes Hanerau, wo Theodor Storm in der 1880er-Jahren als gern gesehener Gast ein- und ausging, führte Düwel bereits zahlreiche Novellen Storms mit den Bürgern des Ortes auf, die dabei von professionellen Theaterleuten unterstützt werden. Sein aktuelles Projekt, die in Hademarschen geschriebene Meisternovelle »Hans und Heinz Kirch«, feiert am 20. August dort ihre Premiere.
> Wienke Niedermanner liest »Hans und Heinz Kirch« an drei Abenden ungekürzt im Storm-Haus.
Im Storm-Haus spricht Frank Düwel mit Christian Demandt über seine Erfahrungen, Storm für die Bühne zu inszenieren.
- Storm-Haus, Wasserreihe 31
- Karten: 8 / 5 Euro
Do, 4.6.
19.30 Uhr
Doro Hi: Die KüstenFlüsterin
Von Sommer, Sonne und der abgrundtiefen Leichtigkeit des Scheiterns
Lesung und Begegnung mit der Autorin
Do, 18.6.26 | 19.30 Uhr
Joy, 24, alleinerziehend und Studentin der Literatur, hat den Wettbewerb gewonnen: Für 99 Tage darf sie Inselschreiberin auf Sylt sein plus bombastischer Lesung an Tag 100. Einzige Bedingung: SCHREIBE EINEN ROMAN. Vom Glück geküsst zieht sie mit Frühlingspower, ihrem Sohn Sam und dem Au-pair-Mädchen Louna in eine kleine Hütte am Watt. Joy schreibt mit Liebe. Joy schreibt mit Hingabe. Joy schreibt mit Herzblut. Und Joy schafft es nicht.
An Tag 88, dem Tiefpunkt ihres Lebens, gesteht sich Joy ihr Versagen ein. Nach Schock und Tränen nutzt sie in den verbleibenden elf Tagen die neue Freiheit als Gescheiterte und wächst literarisch über sich hinaus. Wie ihr das gelingt? Mit einer Narrenkappe auf dem Kopf besucht sie fortan Tag für Tag die fünf Inselleuchttürme zwischen Nordspitze und Südzipfel von Sylt. Sie schreibt von Alltag und Abenteuer, Liebe und Lied, Extremen und Elefanten, Zoff und Zauber. So entstehen – jenseits von Wettbewerbsdruck und gesellschaftlichen Erwartungen – elf zauberhaft-poetische Miniaturen. Doch als Joy an Tag 98 den Würfel endgültig neu wirft, kommt es zum dramatischen Showdown, der selbst die Hüter der Meere erzittern lässt. Ein packender Roman – ja, ist es überhaupt einer? – über Selbstfindung, die Kraft des Schreibens und die Dialektik des Scheiterns. Für alle, die Sehnsucht nach dem Meer haben und ahnen, dass im Verlieren der wahre Gewinn liegt.
Dorothée Gommen-Hingst alias Doro Hi liebt das Leben, das Schreiben und das Meer. Geboren 1975 in Dortmund, zog sie mit Anfang 30 als Dr. phil. nach Hamburg und später nach Westerland auf Sylt. Dort bietet sie im Einklang mit der heilsamen Inselnatur Retreats zum kreativen und biografischen Schreiben in Verbindung mit Qigong an (www.spirit-pen-akademie.de). Die KüstenFlüsterin ist ihr Prosa-Debüt.
- Storm-Haus, Wasserreihe 31
- Karten: 8 / 5 Euro