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November bis März
Di, Do u. Sa: 14–17 Uhr
 

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Heiligenstädter Schaffensphase

Künstlerisch war es für Theodor Storm in Heiligenstadt eine produktive Zeit: Mit Novellen wie Auf dem Staatshof (1859), Drüben am Markt (1861), Veronica (1861), Im Schloß (1862) und Auf der Universität (1863) gelang ihm der Durchbruch zum realistischen Erzähler.

Angeregt durch seine Auseinandersetzung mit dem Glauben im tief katholischen Eichsfeld schrieb er u.a. Gedichte mit Weltanschauungscharakter wie Ein Sterbender oder An deines Kreuzes Stamm o Jesu Christ.

Darüber hinaus sind hier drei der schönsten Kunstmärchen des poetischen Realismus entstanden bzw. konzipiert worden, Storms Die Regentrude (1864), Bulemanns Haus (1864) und Der Spiegel des Cyprianus (1865).

Und nicht zu vergessen: Der Weihnachtsfreak Storm schrieb hier neben Weihnachtserzählungen wie Unter dem Tannenbaum (1862) und Abseits (1863) seine vielleicht populärste Weihnachtsdichtung: Knecht Ruprecht (1862). Die Verse hat er in einer ersten Fassung als Gelegenheitsdichtung für seine Kinder zum Weihnachtsfest verfasst.

»Endlich war die Teufelskanzel erreicht. Sie war nicht unbefugt, diesen Namen zu führen; lotrecht schoß der Fels über hundert Klafter in die Tiefe, wo sich unten im Sonnenglanz die lachendste Landschaft ausbreitete. Durch grüne Wiesen, an Dörfern und Wäldern vorbei, floß in vielen Krümmungen ein glänzender Strom, dessen Rauschen in der Mittagsstille zu uns heraufklang, und drüber her, in gleicher Höhe mit uns, standen die Lerchen flügelschlagend in der Luft und mischten ihren Gesang in die Musik der Wellen.«

Eine Malerarbeit, 1867

Erlebnisse aus der kleinen Stadt im Eichsfeld und Landschaftserfahrungen haben auch späterhin noch in der Novellistik Theodor Storms nachgeklungen: Zum Beispiel beschreibt er in der Künstlernovelle Eine Malerarbeit den wundervollen Blick, den man von der Teufelskanzel ins Werratal hat (siehe Abbildung), und noch in Pole Poppenspäler (1874) verarbeitet er ein Erlebnis seines ältesten Sohnes Hans mit einer Roma-Familie in Heiligenstadt zu Anfang des Jahres 1864.

Text: Regina Fasold (Burkau)